Tite Kubo im Interview

bleach-cover-60Anlässlich seines Besuchs zur Leipziger Buchmesse 2013 stand uns Bleach-Zeichner Tite Kubo Rede und Antwort.

Seit vielen Jahren berühren Sie die Herzen junger Leser mit Ihren Geschichten und Manga. Welchen Stellwert hatten Manga in Ihrem Leben, als Sie ein Kind waren?
Kubo: Ich habe angefangen, Manga zu lesen, als ich in der Grundschule war. Vorher wusste ich nicht mal, dass es so was überhaupt gibt. Ich muss so in der zweiten oder dritten Klasse gewesen sein, als ich meine ersten Manga gekauft und gelesen habe. Seitdem sind sie ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.


Haben Sie auch selbst den Shonen Jump gelesen?
Kubo: Erst seit ich etwa 12 war

Und auf welche Serien haben Sie sich damals besonders gefreut?
Kubo: Saint Seiya!

Als Sie dann selbst mit dem Zeichnen begonnen haben, mit welchen Themen haben Sie sich auseinandergesetzt?
Kubo: In der dritten Klasse habe ich mit witzigen Comics angefangen. Das waren damals aber eher Kritzeleien in meinen Heften. An meine erste richtige Story habe ich mich dann in der sechsten Klasse gewagt. Die war dann auch schon etwas ernsthafter, aber ich habe sie nie vollendet.

War das Zeichnen damals nur ein Hobby oder war es von Anfang an Ihr Ziel, Mangaka zu werden?
Kubo: Seit ich meine ersten Manga gekauft habe und wusste, dass es den Beruf des Mangaka gibt, wollte ich unbedingt selbst Mangaka werden. Allerdings habe ich damals nur mit Bleistift gezeichnet, war also noch weit von meinem Ziel entfernt.

Und wie haben Sie Ihr Talent von diesen frühen Bleistiftzeichnungen dann so weiterentwickelt, dass Sie heute einer der besten und anerkanntesten Mangaka der Welt sind?
Kubo: Anfangs habe ich, wie gesagt, einfach nur mit dem Bleistift vor mich hin gezeichnet und auch nicht wirklich an einem Talent gefeilt. Erst in der High School habe ich dann ernsthaft gezeichnet und mir ein Buch gekauft, wie man einen Manga zeichnet. Und damit habe ich dann gelernt.

Sie haben wirklich nur aus einem Buch gelernt, es gab keinen Lehrer?
Kubo: Und in dem Buch stand auch nur, wie man mit dem Werkzeug umgeht.
Dann bin ich noch beeindruckter als vorher!

Fast alle Manga-Zeichner weltweit träumen davon, im Shonen Jump veröffentlicht zu werden. Verraten Sie uns, wie haben Sie es geschafft, einen Platz in diesem anerkannten Magazin zu finden?
Kubo: Seit ich beschlossen hatte, Mangaka zu werden, war es immer mein Ziel, meine Manga an die Jump-Redaktion zu schicken. Was anderes wollte ich nie.

Wurden Sie mir Ihrer ersten Bewerbung gleich angenommen?
Kubo: Gewonnen habe ich den Wettbewerb zwar nicht, aber zumindest habe ich es unter die Finalisten geschafft. Danach wollte ich dann noch besser werden. Und als ich ihnen mein nächstes Skript geschickt habe, bekam ich einen Anruf, ob ich nicht mit einem Redakteur zusammen daran arbeiten möchte.

Eine Serie wie Bleach mit ihrem riesigen internationalen Erfolg überstrahlt heute nahezu alles. Erinnern Sie sich noch, womit alles angefangen hat: Waren es die Figuren oder eine bestimmte Story-Idee? Kann man überhaupt beschrieben, wie eine so große Serie ihren Anfang nahm?
Kubo: Ich habe mit den Charakteren angefangen. Ich fange immer mit den Charakteren an.

Müssen wir uns darunter nur das reine Charakterdesign vorstellen oder bekommen die Figuren beim Zeichnen auch gleich bestimmte Wesenszüge zugeschrieben und in welcher Beziehung sie zueinander stehen?
Kubo: Das hängt natürlich immer vom Charakter ab. Manchmal gibt es nur den Namen oder vielleicht nur das Aussehen. Als ich die ersten Rohzeichnungen gemacht habe, hatte ich zuerst Rukia fertig und dachte mir, sie könnte ein Shinigami sein. Danach folgte die Geschichte und dann Ichigo.

Haben Sie von Anfang an gespürt, dass Sie etwas ganz Besonderes kreieren? Hatten Sie eine Ahnung, dass Bleach ein so gigantischer Erfolg werden könnte?
Kubo: Ich hatte keine Ahnung, ob die Serie erfolgreich werden würde oder nicht. Aber ich hatte ein klares Bild vor Augen und wusste ganz genau, wenn ich das, was ich mir vorstelle, umsetzen kann, wird die Geschichte richtig gut.

Inzwischen gibt es 60 Bände – eine sehr komplexe und lange Geschichte. Die können Sie doch unmöglich schon vollständig im Kopf gehabt haben. Welcher Teil stand schon zu Beginn fest und was ist dann auf dem Weg noch entstanden?
Kubo: Es ist so, dass ich mir erstmal ein grobes Grundgerüst ausdenke und danach die einzelnen Geschehnisse. Anschließend fülle ich die Zwischenräume aus. Ich kann nicht mehr genau sagen, wann, aber die gesamte Story stand schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt fest.

In den Reaktionen der Leser von der ersten Stunde bis heute waren die Leser sehr enthusiastisch und wir erleben es auch hier auf der Messe gerade wieder, wie viele begeisterte Fans es gibt. Wie ist es für Sie, die Freude Ihrer Leser zu spüren?
Kubo: Es ist mir wichtig, zu sehen, wie die Leser reagieren. Ich mache viele Anspielungen, bei denen ich mich dann frage, ob es irgendein Leser merkt oder nicht. Wenn ich einen Aufbau mache, der sich später so und so entwickeln könnte, und jemand genau das errät, bin ich super glücklich.

Ihr Zeichenstil hat sich in den letzten Jahren verändert, ist in vielerlei Hinsicht offener geworden, als er das am Anfang war. Ist so eine Veränderung eine bewusste Entscheidung oder passiert es einfach, dass sich der Stil verändert? Kann man das beschreiben?
Kubo: Ich versuche, meinem Stil so gut wie möglich treu zu bleiben. Aber es gibt auch viele Sachen, bei denen ich zunächst technisch noch nicht so begabt war, sodass ich sie nicht zeichnen konnte. Über die Jahre habe ich mich weiterentwickelt und so kam es zu dieser Veränderung. Das ist also keine bewusste Entscheidung.

Eine zweite Sache, die sich im Laufe der Serie sehr verändert hat, sind die Covers. Wir haben in Deutschland gerade die Phase mit den monochromen, stark von Schrift geprägten Designs erreicht. Haben Sie direkten Einfluss auf die Gestaltung der Cover? War diese Kursänderung Ihre Idee?
Kubo: Ich mache das immer so. Bei jeder neuen Ark gibt es immer eine neue Stilrichtung. In letzter Zeit arbeite ich mit einem vertrauenswürdigen, zuverlässigen Designer zusammen, dem ich sage, was ich mir vorstelle. Das Ergebnis ergänze ich dann noch um den Text.

Sie leben und arbeiten in Japan. Nun haben Sie hier bei uns in Deutschland die Fans erlebt – und waren ja auch schon in Amerika. Diese Erfahrung ist ja wahrscheinlich im Alltag sehr weit weg. Wie empfinden Sie es, dass Bleach auch international so ein großer Erfolg ist, der Jugendliche in so vielen unterschiedlichen Kulturen erreicht?
Kubo: Wenn ich in Japan bleibe, kann ich so etwas gar nicht miterleben, deswegen freue ich mich hier zu sein. Aber ist auch irgendwie ein bisschen unwirklich.

Gibt es noch etwas, das Sie Ihren deutschen Fans gerne mit auf den Weg geben möchten?
Kubo: Ich muss sagen, die Fans hier in Deutschland sind extrem höflich. Ich bin sehr dankbar, sie treffen zu können. Aber gleichzeitig spüre ich auch, dass sie voller Leidenschaft sind und das macht mich stolz!