Atsushi Ohkubo und Mamoru Miyano im Interview

Um den Start der neuen SHONEN ATTACK Hitserie Fire Force von Atsushi Ohkubo zu feiern, posten wir heute ein Interview mit dem Sensei aus dem Weekly Shonen Magazine. In dem Interview hat sich Ohkubo-sensei mit dem Synchronsprecher von Death the Kid, Mamoru Miyano, zusammengesetzt, um über seine Serie Fire Force zu sprechen.

ff-shinra-(1)Atsushi Ohkubo

Atsushi Ohkubo debütierte im Jahre 2001 mit der Kurzgeschichte Ichizen no Hone. Seine Serie Soul Eater lief von 2004 für ungefähr 9 Jahre im Monthly Shonen Gangan Magazin von Square Enix und erhielt eine TV-Serien-Adaption. Hiernach zeichnete er aber 2011 im selben Magazin die Spin-Off Serie Soul Eater Not, welche im Jahre 2014 eine Anime-Adaption erhielt. Seit 2015 zeichnet er die Serie Fire Force in Kodanshas Weekly Shonen Magazin.


Atsushi Ohkubo: Vielen Dank für die Einladung!
Mamoru Miyano: Ich bedanke mich auch für die Einladung!

Dann legen wir gleich mal los. Sensei, woher kam die Idee zu Fire Force?

Ohkubo: Die ursprüngliche Idee entstand aus dem Gedanken, »verbrannte Zombies sind ja gruselig«. Ich bin ein Fan von Horrorfilmen und mir fiel auf, dass es alle möglichen Arten von Zombies gibt. Ich setzte mich darauf hin und dachte nach und kam dann schließlich auf die Idee der verbrannten Zombies.
Miyano: Die Idee ist wirklich gruselig.
Ohkubo: Ich dachte mir, dass ich gerne einen Film sehen würde, in dem diese Art von Zombies vorkommt, da ich aber kein Regisseur bin… (lacht). Diese ursprüngliche Idee habe ich dann mit meiner Vorliebe für Feuerwehruniformen und der Idee eines Battle-Manga mit Charakteren mit ähnlichen Fähigkeiten vermischt und in der Form eines Manga arrangiert.

Die Atmosphäre von Fire Force unterscheidet sich ja auch sehr von der von Soul Eater.

Ohkubo: In Soul Eater war es so, dass das Leben leicht genommen wird … leicht trifft es nicht richtig, aber da das Hauptthema Todesgötter ist, ist es mehr oder minder normal, dass Menschen leben und sterben. In Fire Force wird das Thema des Lebens jedoch etwas schwerwiegender behandelt.

Warum ist das so?

Ohkubo: Als ich an Soul Eater arbeitete, gab es viele populäre Manga, in denen der Hauptcharakter sehr darauf bedacht war, seine Gegner nicht zu töten, und das Leben wertgeschätzt hat und in denen die Entwicklung der Geschichte sehr detailliert dargestellt wurde. Ich habe mich deshalb mit Soul Eater für den entgegengesetzten Weg entschieden und einen Shonen-Manga ohne irgendwelchen Schnickschnack gezeichnet, in dem es einfach nur darum ging, den Gegner plattzumachen. Heutzutage allerdings existieren sehr viele Manga mit einer Death-Game-Thematik, die das Thema Leben eher leicht handhaben. Dementsprechend dachte ich mir, ich sollte das Leben etwas schwerwiegender in meinem nächsten Werk behandeln.
Miyano: Ein Querdenker (lacht). Dinge anders anzugehen scheint ein Grundsatz des Senseis zu sein.
Ohkubo: Als ich mit Soul Eater anfing, gab es noch relativ wenige Shonen-Manga, die einen weiblichen Hauptcharakter hatten, und vor allem einen mit Zöpfen hatte ich noch nicht wirklich gesehen. Darauf entschied ich mich, die Dinge anders zu machen als andere. Jetzt mit Fire Force möchte ich das machen, was ich in Soul Eater nicht machen konnte.

Damit meinen Sie?

Ohkubo: In meiner Vorstellung ist Soul Eater der Mond und Fire Force die Sonne. Die beiden sind so etwas wie gegensätzliche Werke, das punkigere und flottere Soul Eater und das mehr auf Story und Rätsel bedachte Fire Force.
Miyano: Zuerst dachte ich, dass der Manga sich nur um dem Kampf gegen Flammenwesen drehen würde, aber dann stellt sich relativ schnell heraus, dass die Flammenwesen von Menschen erschaffen wurden. Der Fokus der Geschichte liegt jetzt darin, herauszufinden, wer wirklich für die Geschehnisse verantwortlich ist.
Ohkubo: Ich dachte, dass es besser sei, schneller in die Mainstory einzusteigen, als lange in der Einleitung zu verweilen. Manga-Leser erwarten heutzutage eine schnelle Story-Entwicklung. Schon in Soul Eater habe ich immer darauf geachtet, möglichst schnell zu den aufregenden Stellen der Story zu kommen. Da die Serie aber in einem monatlichen Magazin (A.d.R.: Soul Eater lief als Serie im Shonen Gangan Magazin von Square Enix) lief, waren leider immer etwas größere Abstände zwischen den Kapiteln. Mit intensiven Actiontiteln ist es aber besser, wenn die Charaktere ohne größeren Leerlauf mit dem Gefühl »Los! Wir machen sie platt!« loslegen können (lacht). Da Fire Force jetzt aber in einem wöchentlichen Magazin läuft, kann ich den Manga in einem entsprechenden Tempo zeichnen und genieße das sehr. Charaktere wie der Hauptmann und der Kommandeur sind so entstanden, wären aber mit Soul Eater unmöglich gewesen (lacht).
Miyano: Dieser Unterschied zwischen monatlichen und wöchentlichen Magazinen ist super interessant.
Ohkubo: Es wird gesagt, dass man in wöchentlichen Magazinen in jedem Kapitel einen Cliffhanger haben müsste, aber ich stimme dem nicht so wirklich zu … Wenn man solche Serien dann als Sammelband liest, sind diese doch nichts weiter als aneinandergereihte Cliffhanger. Natürlich benutze ich Cliffhanger, aber jedes Mal möchte ich das nicht. Ich verstehe, dass sie wichtig sind, ich verstehe auch, dass sie gute Bewertungen in den Leserumfragen bringen, aber solch einen monotonen Rhythmus in einem Sammelband finde ich blöd (lacht).

Sie zeichnen das erste Mal für ein wöchentliches Magazin. Ist das nicht anstrengend?

Ohkubo: Ich dachte mir, dass ich das mal ausprobieren sollte, und finde, dass es einfacher ist, für ein wöchentliches Magazin zu zeichnen. Da die Zeit, die ich für eine Seite brauche, sich nicht ändert, die Kapitel in einem wöchentlichen Magazin kürzer sind und des Weiteren die Deadlines immer sehr nah sind, kann ich in einem guten Rhythmus zeichnen. Ich denke auch, dass es von Vorteil ist, dass ich schon einmal als Assistent bei einem Mangaka mit einer wöchentlichen Serie gearbeitet habe. In einem monatlichen Magazin hat man häufig viel Leerlauf und der Motor kühlt ab (lacht). Jetzt den Motor anzuschmeißen und jede Woche bis zur Deadline die Seiten anzufertigen, ist schon etwas anstrengend, aber da man ohne den Leerlauf einen guten Rhythmus finden kann, ist es schon sehr angenehm. Man hat allerdings keinerlei Freizeit (lacht).
Miyano: Die Fire Force-Mädels sind wirklich süß.
Ohkubo: Ich danke dir! Aber ich finde, dass ich schlecht darin bin, weibliche Charaktere zu zeichnen, starke, draufgängerische männliche Charaktere hingegen zeichne ich einfach so runter (lacht).
Miyano: Ich verstehe! Mädels zu zeichnen ist doch bestimmt nicht so einfach, weil man sie immer süß zeichnen muss?
Ohkubo: Genau so ist es (lacht). Selbst in anrüchigeren Szenen muss man immer auf viele Dinge achten. Zum Beispiel ob sie alle schön und nach Design gezeichnet sind und dann im Endeffekt auch süß aussehen!
Miyano: Alles für die Leser …
Ohkubo: So ist es. Mit Soul Eater Not hatte ich mir ziemlich einen eingeschenkt. Ich hatte mich gefragt, wie anstrengend es wohl sein würde, einen Manga mit ausschließlich weiblichen Charakteren zu zeichnen … (lacht)
Miyano: Querdenker sollen ja auch sehr starrsinnig sein (lacht). Gibt es eine Szene, die sie gerne für Fire Force zeichnen wollen?
Ohkubo: Die Story konzentriert sich jetzt erst mal auf die Kämpfe mit den neu enttarnten Gegnern! Aber wenn ich mehr Kämpfe zeichne, kriege ich auch immer den Drang, lockere Alltagszenen zu zeichnen. Ich unterhalte mich gerade mit meinem Redakteur darüber, dass die Geschichte in einer Welt spielt, in der es jede Menge Feuer gibt, und es von daher auch sehr viele Onsen geben sollte.
Miyano: Das schreit doch geradezu nach einem Kapitel voller Nacktheit.
Ohkubo: Mit ausschließlich nackten Männern (lacht)!
Miyano: Voller Muskeln!
Ohkubo: Es gibt doch so Kalender mit muskelbepackten Feuerwehrmännern. Ich habe mit meinem Redakteur darüber geredet, solch ein Kapitel zu zeichnen.
Miyano: Das will ich sehen! Mach sie das doch bitte (lacht). Jetzt bin ich wirklich auf das Onsen-Kapitel gespannt (lacht).
Ohkubo: Aber nur mit Männern (lacht). Wie denken wohl weibliche Leser darüber? Ob sie sich über viele Muskelmänner freuen würden?
Miyano: Es gibt doch bestimmt Leser, die so etwas sehen wollen …

Es kommt bestimmt darauf an, wer dort zusammen im Onsen ist.

Ohkubo: Wie wären Arthur und Hinawa … Worüber die beiden wohl reden würden (lacht).
Miyano: Obi und Shinra würden bestimmt eine rege Unterhaltung führen. Die beiden sind ein bisschen wie Vater und Sohn …
Ohkubo: Das stimmt! Ich stelle mir die Hauptcharaktere immer als eine Art Familie vor. Obi ist der Vater, Hinawa ist die Mutter, Maki ist die ältere Schwester, Iris ist die kleine Schwester und … Arthur ist der Hund (lacht).
Miyano: Ah, er ist wirklich wie ein Hund … ein blöder Hund (lacht). Ob er wohl als Wachhund brauchbar wäre?
Ohkubo: Da Shinra als Charakter nicht wirklich doof, sondern eher erwachsen ist, dachte ich mir, dass Arthur ein besserer Blödian sein würde (lacht).
Miyano: Er ist ja auch ein alberner Idiot (lacht). Es war super lustig, als er seine Schwerthand verwechselt hat.
Ohkubo: Um ehrlich zu sein … da habe ich selbst beim Malen die Schwerthand von Arthur verwechselt.
Miyano: Was? Einfach so beim Malen einen Fehler gemacht?
Ohkubo: Ja (lacht). Die ersten paar Seiten habe ich Arthur mit dem Schwert in der linken Hand gemalt. Meine erste Idee war, den Fehler damit zu verstecken, dass er eine spezielle Fähigkeit benutzt, um einen Gegner zu besiegen.
Miyano: Aber dann haben sie seine Blödheit genutzt, um die Situation zu retten (lacht)!

Nebenbei, Miyano-san, welchen Charakter mögen sie besonders?

Miyano: Hm, wen wohl … Iris ist niedlich. Sensei, welchen mögen sie am liebsten?
Ohkubo: Ich mag Maki sehr gerne. Zeichnerisch ist Iris relativ einfach zu zeichnen. Maki hingegen ist überraschenderweise schwer zu zeichnen.
Miyano: Stimmt, Maki sieht aus, als wäre sie schwer zu zeichnen. Sie hat viele Muskeln, hat aber auch ihre sanfte weibliche Seite.
Ohkubo: So ist es. Ehrlich gesagt würde ich sie gerne als Muskelberg zeichnen … aber dann werden die Leser sauer auf mich (lacht).

Welchen männlichen Charakter mögen sie denn am liebsten?

Ohkubo: Ich mag Hinawa sehr gern. Es macht Spaß, ihn zu zeichnen.

Gibt es Charaktere, die besonders einfach oder schwer zu entwickeln sind?

Ohkubo: Eigentlich nein. Shinra ist sehr einfach zu entwickeln und Arthur auch … Idioten und Spinner sind immer einfach zu entwickeln (lacht). Aber immer, wenn ich Rekka zeichne, denke ich mir, der ist ja eklig (lacht).

Vielen Dank für das Interview.

© Atsushi Ohkubo / Kodansha.Ltd.